Ju-Jitsu - Die Sanfte Kunst

Geschichtliche Herkunft - Die Samuraizeit

Über den Ursprung der asiatischen Kampfkünste, darunter das Ju-Jitsu, gibt es leider so viele verschiedene Geschichten und Legenden, dass heute nicht mehr zweifelsfrei feststellbar ist, wo sich deren eigentliche Wurzeln befinden.
Sicher ist jedoch, dass die Blütezeit des Ju-Jitsu zur Ära des Rittertums in Japan war. Das Training von Ju-Jitsu gehörte zur Ausbildung der japanischen Ritter, der Samurai.
Eng verknüpft mit der technischen Lehre war auch das Studium des Ehrenkodex der Samurai, des Bushido ("Weg des Kriegers").
Durch zahlreiche Kriege und Sippenfehden, die Japan bis in die Neuzeit heimsuchten, stieg die Bedeutung von Ju-Jitsu zusätzlich an. In all dieser Zeit wurden die Techniken immer weiter entwickelt und perfektioniert.
Ein Erlass von 1871 verbot den Samurai das Tragen des Schwertes. Nun mussten sie sich voll und ganz auf die waffenlose Kampfkunst beschränken. Das Training von Ju-Jitsu wurde also noch mehr gefördert.

Jigoro Kano - Der Gründer des Judo

Kano Mit der Öffnung Japans wurde nicht nur das Tragen des Schwertes verboten, bald kam auch das völlige Verschwinden der Samurai. Ju-Jitsu und die anderen Budo-Künste drohten für immer verloren zu gehen.
Dass Ju-Jitsu heute wieder aktuell ist, verdanken wir vor allem Jigoro Kano (1860-1938). Kano, ein Meister des Ju-Jitsu, war es, der aus der alten Samuraikunst das Judo gründete, eine Kampfsportart, die nicht dem Kampf, sondern der körperlichen und geistigen Entwicklung dient, und welche die Ausführung von Wettkämpfen mit geringem Verletzungsrisiko ermöglicht.

Dazu formulierte Kano die beiden folgenden Grundprinzipien:

  • "Seiryoku Zenyo" - Bestmöglicher Einsatz der Kräfte
  • "Jita Kyoei" - Zum Wohle aller, Leben in Harmonie

Durch Kano, der in Japan grosse Popularität und hohen politschen Einfluss genoss, wurden Judo und Ju-Jitsu innert kurzer Zeit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Judo immer mehr zu einer Wettkampfsportart (seit 1964 olympisch) während sich Ju-Jitsu als eine Form der Selbstverteidigung etablierte, die in vielen Ländern von Polizei und Militär übernommen wurde.

Ju-Jitsu heute - Selbstverteidigung, Spiel, Sport und Kunst

Das heutige Ju-Jitsu lässt sich am besten als eine Kombination von Judo, Karate, Aikido und weiteren Kampfsportarten beschreiben. Aufgrund seiner grossen Vielfalt ist es sehr gut zur Selbstverteidigung geeignet. Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten bietet es die Möglichkeit, einen Gegner mit relativ humanen Methoden unter Kontrolle zu bringen, anstatt ihn K.O. zu schlagen.

In den letzten Jahren hat sich jedoch der Trend entwickelt, Ju-Jitsu nicht nur als effektives Nahkampfsystem, sondern wie das Judo, auch als Sport und Kunst für die physische und psychische Entwicklung zu betrachten. Seit 1987 gibt es einen Ju-Jitsu Weltverband (JJIF) und seit einigen Jahren werden auch im Ju-Jitsu Wettkämpfe ausgetragen, 1997 sogar erstmals an den World Games.
Das schweizerische Ju-Jitsu Nationalkader hat seit 2002 an internationalen Wettkämpfen bereits über 60 Medaillen gewonnen!